Abgeordneten-Blog
06.08.2010, 10:55 Uhr | MT
MT-Blog vom 06.08.2010
Russland brennt, was geht uns das an?

Täglich erreichen uns neue Berichte aus Russland über die verheerenden Brände von Wäldern und Feldern.

Die Getreideernte in diesem Riesenreich ist bereits zu 20 % vernichtet. Putin erteilt ein Verbot für Getreideexporte um die Ernährung seiner Bevölkerung zu sichern. Auch die Aussaat für das kommende Erntejahr ist gefährdet.

Auch in Deutschland, wie in fast ganz Westeuropa, ist durch die Sommertrockenheit mit erheblichen Ernteausfällen zu rechnen.

Die Folge: Der Weltmarktpreis für Weizen steigt und steigt (von ca. 10 Euro je Tonne auf inzwischen ca. 20 Euro).

Für die Landwirte gibt es nach zwei Jahren mit katastrophalen Erzeugerpreisen endlich wieder kostendeckende Erlöse.

Neben diesem positiven Aspekt für uns Landwirte sollte uns dieses Jahr allerdings aufzeigen: Wir müssen auch in Deutschland dafür sorgen, dass eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft erhalten bleibt.

Die hier und da geäußerte Meinung: „Wozu brauchen wir die Bauern, wir können doch alles viel einfacher als Import einführen“, wird durch die gegenwärtigen Wetterkapriolen eindeutig widerlegt.

Was würde passieren, wenn sich ein solches Jahr wiederholt? Was würde passieren, wenn es gleichzeitig z.B. in Nordamerika oder China Ernteausfälle gäbe?

Zurzeit werden bei uns neben den bestehenden Biogasanlagen sehr viele neue gebaut oder sind in Planung. Landwirte sehen darin mit Recht eine gute Möglichkeit, sich ein zusätzliches Standbein für ihr Einkommen zu schaffen.

Ich sehe allerdings mit Sorge, dass es schon in diesem Jahr zu Engpässen bei der „Futterversorgung“ der Anlagen kommt. Die Schweinemäster, Milchviehhalter u.a. werden Probleme bekommen, bei diesem Wettbewerb um die Rohstoffe mitzuhalten.

Die Fläche ist nicht vermehrbar und ich befürchte, in diesem Jahr werden die Betriebe das schmerzhaft zu spüren bekommen.

Die von der rot-grünen Landesregierung im Koalitionsvertrag angekündigte neue Agrarpolitik

-vorwiegende Förderung von alternativen Wirtschaftsweisen und Erweiterung von Naturschutzgebieten-

wird die Flächenknappheit und damit die Pachtpreise weiter forcieren. Wir werden das im Fachausschuss kritisch hinterfragen.

Am Schluss zur Beruhigung für die Verbraucher:

Der Rohstoffanteil z. B. bei Brot beträgt ca. 4 Prozent. Sollte sich der Weizenpreis verdoppeln, dürfte der Preis für ein Brötchen höchstens um 1-2 Cent steigen.

Umgekehrt: Würden wir den Weizen verschenken, würde sich der Preis nur um wenige Cent verringern.
 

Noch einige schöne Sommerwochen (ab und zu einen warmen Sommerregen) wünscht

Friedhelm Ortgies


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