MT-Blog vom 17.07.2010
Die Bahn – ein Sommertagstraum(a).
Es ist Freitag, der 16. Juli, und der letzte Plenartag vor der Sommerpause endet gegen 15 Uhr.
Da ich am Abend noch einen privaten Termin bei Bohmte habe, nehme ich den IC um 15:33 Uhr Richtung Hamburg.
Abfahrt in Düsseldorf mit nur wenigen Minuten Verspätung. Der Zug ist schon rappelvoll mit Pendlern und vielen Urlaubsreisenden mit noch mehr Gepäck. Ich bekomme zum Glück noch einen Platz in einem 6er-Abteil. Draußen über 30 Grad. Die Klimaanlage funktioniert so leidlich.
Im nächsten Waggon ist die Klimaanlage allerdings ausgefallen und die Leute versuchen mit hochroten Köpfen in unseren Wagen zu kommen und stehen mit ihrem Gepäck auf den Gängen.
Der Zug rollt Richtung Ruhrgebiet. Plötzlich die Durchsage hinter Essen: Wegen Gleisschäden müssen wir einen Umweg über Gelsenkirchen fahren.
Mit 20 Minuten Verspätung treffen wir auf dem Bahnhof Dortmund ein. Auf dem Bahnsteig stehen Hunderte, meist mit großen Koffern, und wollen in den schon jetzt vollen Zug.
Es herrscht ein unbeschreibliches Gedränge und Geschiebe. Kinder weinen, Paare schreien sich an, die Zugbegleiter versuchen entnervt ihr Bestes.
Nach einer weiteren Viertelstunde sind alle drin im Zug. Ein Durchkommen ist nicht mehr möglich. Die Türen schließen automatisch.
Als alle glauben, es geht nun weiter, fallen alle Lüftungen und Klimaanlagen aus. Nach einigen Minuten die Durchsage: Unser Triebfahrzeug ist leider ausgefallen.
Also muss die Lok ausgewechselt werden. Wie lange kann so was dauern? Antwort: Ca. eine halbe Stunde.
Verspätung inzwischen 60 Minuten.
Die Türen gehen wieder auf. Viele steigen aus, weil es trotz der Hitze auf dem Bahnsteig erträglicher ist als im Zug. Auf dem Bahnsteig werden kostenlose Getränke verteilt.
Dann die Durchsage, dass auf Gleis 10 inzwischen der Folgezug Richtung Hamburg eingetroffen ist.
Jetzt stürzen Hunderte Reisende wieder raus aus unserem Zug und versuchen in den anderen zu kommen. In unserem Abteil beratschlagen wir, was wir machen sollen. Bleiben oder wechseln? Auf Nachfrage beim Schaffner entscheiden wir uns fürs Bleiben.
Am Bahnsteig 10 rollt der andere IC inzwischen los. Wir stehen immer noch, aber unser Zug ist nun höchstens noch zu drei Vierteln voll.
Die Lok ist inzwischen ausgewechselt. Die Klimaanlage startet wieder und endlich rollen wir an.
Verspätung: 70 Minuten.
Mein Anschlusszug in Osnabrück Richtung Bohmte ist sowieso schon weg. Ich hoffe, dass ich den nächsten eine Stunde später noch erreiche.
Wenige Minuten nach Verlassen des Bahnhofs Dortmund plötzlich abrupter Stopp mitten in der Pläne. Ratlosigkeit. Dann die Durchsage: Irgendjemand hat die Notbremse gezogen.
Nach einigen Minuten geht’s weiter. Verspätung 80 Minuten.
In unserem Abteil herrscht inzwischen eine schon fast fröhliche Galgenhumor-Stimmung nach dem Motto: Ist ja Wochenende und irgendwann werden wir wohl ankommen.
Plötzlich wieder Stopp. Man mag es kaum glauben, aber diesmal hat ein Wanderer mit Rucksack die Gleise unzulässig überquert und den Zug zum Halten gezwungen.
Dann geht es tatsächlich ohne zusätzlichen Halt weiter in Richtung Osnabrück. Hier komme ich mit inzwischen 90 Minuten Verspätung an. Auch der nächste Anschlusszug ist weg. Ich verabschiede mich von meinen neuen fünf „Abteilfreunden“, welche hoffentlich zu ihren Zielen im Norden ohne Zwischenfälle gekommen sind.
Gute Freunde holen mich dann dankenswerterweise in Osnabrück ab, sodass ich mit fast zweistündiger Verspätung dann zu einem kühlen Bier und leckerer Bratwurst komme.
Was wir Bahnkunden heute mitgemacht haben, ist zwar keine Katastrophe, aber manch einer der heute Betroffenen denkt sicher darüber nach, das nächste Mal doch das eigene Auto zu nehmen.
Mir taten heute die Zugbegleiter leid, welche sich redlich um die Reisenden bemühten, die sich trotzdem von manch einem Zeitgenossen die unflätigsten Sprüche anhören mussten, manchmal sichtlich versuchten, Fassung zu bewahren und nun wirklich nichts dafür konnten, dass so viel schief ging .
Ich werde trotzdem weiter die Bahn nutzen und hoffe, dass so etwas wie am heutigen Tag nicht so schnell wieder vorkommt.
In diesem Sinne, weitere schöne Sommertage.
Ihr
Friedhelm Ortgies |